Mit Weinen von Delas im Gepäck machen wir uns heute auf den Weg, einige Anbaugebiete der Rhône zu erkunden. Unsere Reise beginnt im nördlichen Teil des Rhône Tals, wo kontinentales Klima, mit mediterranen Einflüssen vorherrschend ist. Heiße Sommer und starker Mistral bestimmen den Weinbau. Gnadenlos scheint die Sonne auf die kargen Hänge aus Granit und Glimmerschiefer, für jeden Tropfen Wasser müssen die Reben kämpfen, um die einzigartigen Weine dieser Region hervorzubringen. Wer könnte da besser geeignet sein, als die Trockenstress-Expertin Syrah.

nördliche Rhône

nördliche Rhône

Unser erster Wein kommt von der unglaublichen Terrassenlage „La Landonne“, an der Côte Rôtie, wahrscheinlich eine der ältesten Weinbergslagen in Frankreich. Der 2006´er „La Landonne“, zu 100% Syrah, überzeugt mit seiner rotfruchtigen, würzigen Art, seidigem Mundgefühl und einem festen Kern. Wunderbar balanciert, wirkt er keinen Moment schwerfällig, die komplexen Noten von Kirschen, roter Lakritze und Mineralien dominieren, bis er im Abgang sein wahres Potential enthüllt. Eine dicht gewobene Tanninstruktur, die dem „La Landonne“ ein langes Leben bescheren wird.

Weiter geht es in den großen Appellationsbereich St-Joseph, der sich über 50 km am rechten Ufer der Rhône erstreckt. Mit dem Syrah „Francois de Tournon“ haben wir einen Vertreter der Region, der sich durch seine opulente dunkle Frucht und seine typische Fülle auszeichnet. Durch seine Kraft, harmoniert er besonders gut mit der ländlichen Küche.

In Tournon überqueren wir die Rhône, und befinden uns im 130 Hektar großen Anbaugebiet Hermitage. Der perfekte Botschafter dieser Region, ist der 2007´er „Les Bessards“, ein Syrah aus der bekannten Einzellage inmitten des Hermitage-Berges. Mit seiner feinen Brombeerfrucht, der rauchigen Würze und seiner kräftigen Tanninstruktur, hat uns dieser Tropfen einfach umgehauen.

Der Appellationsbereich Crozes-Hermitage umgibt den Hermitage-Berg und bringt es auf 1200 Hektar Rebfläche. Aufgrund der steinigen Böden und der daraus resultierenden niedrigen Erträge, haben sich die flacheren Crozes Lagen, denen von Hermitage als ebenbürtig erwiesen.  Unser Vertreter dieser Region ist der „Domaine des Grands Chemins“ 2006. Ein verführerischer Wein, der mit Aromen von Cassis, schwarzem Pfeffer und Kaffee zu betören weiß. Ein rundum toller Wein, der auch jung schon unwiderstehlich ist.

Im südlichen Teil des Rhône-Tals, löst Grenache, die Syrah-Traube als wichtigste der Region ab. Desweiteren werden Cinsault, Mourvedre und Carignan angebaut.  Ein mediterranes Klima, mit trockenen Sommern und milden, feuchten Wintern bestimmt das Wettergeschehen. Von den Alpen her weht der kalte Mistral durch das Tal der südlichen Rhône, und ist Fluch und Segen zugleich. Auf der einen Seite hat er im Herbst, schon so manche Ernte vor Fäulnis bewahrt, anderseits müssen viele Weinbergslagen, durch Windschutzhecken aufwendig geschützt werden. Im Gegensatz zum nördlichen Teil des Rhône-Tals, wo die Spitzenweine in unzugänglichen Steillagen-Weinbergen wachsen, befinden sich die besten Weingärten der südlichen Rhône auf flachem Terrain. Aufgrund der Größe des Gebietes, variieren die Bodentypen, von schweren Tonböden im Gigondas, bis hin zu steinigen Flussablagerungen im Chateauneuf du Pape.

südliche Rhône

südliche Rhône

Das riesige Anbaugebiet Côtes du Rhône umfasst 40000 Hektar und bringt auf Grund der hohen Sonneneinstrahlung, Weine voller Frucht und Fülle hervor. So auch der von uns verkostete „Saint Esprit“ Côtes du Rhône 2008 (Syrah 90%, Grenache 10%), der mit seiner charmant fruchtigen Art und seinem kräftigen Körper, aber vor allem durch sein tolles Preis- Leistungsverhältnis glänzt.

Da die Syrah Traube in vielen Teilen der südlichen Rhône zur Überreife neigt, kommen gute Qualitäten oft von kühleren Tonböden. Bestes Beispiel sind die Weine der Appellation Gigondas, welche auf steilen Hängen mit gelbem Ton wachsen. Der „Les Reinages“ Gigondas  (80% Grenache und 20% Syrah)  verwöhnt uns mit Aromen roter Früchte und mediterranen Kräutern. Der Wein besitzt einen süßen Kern und entwickelt Noten von Sauerkirschen, sowie Unterholz im Nachhall.

Das war es auch schon von unserem kleinen Streifzug durch das Gebiet der Rhône. Ich hoffe wir konnten Euch ein wenig den Mund wässrig machen. Und auch wenn keine Reise geplant ist, mit einer Auswahl an interessanten Weinen der Region und ein paar guten Freunden, lässt sich dieser Trip auf jedem Wohnzimmertisch leicht nachstellen.

 

 

 

1. Chezmatze: Die schwerwiegenden Folgen des Rotweingenusses

2. Peter Züllig: Universität, Kühltürme und traditionsbewußte Winzer

3. Baccantus 1: Feminine Weine aus dem Rhône-Tal

4. Baccantus 2: Die Rhône – ein weites Feld, ein langer Fluß

5. Baccantus 3: Eine vinophile Reise durch die Rhône mit Gernot Freund

6. Christian Schiller: Meeting a Rhone Ranger and tasting his Wines

7. Lamiacucina: Die Rhône – der Fluß, der Wein, die Winzer

8. Kochkurs Köln: Die Rhône – der Fluß, der Wein, die Winzer

9. Generation Wein: Das Tal der Rhône

10. Drunken Monday: Der “beste” Wein der Welt kommt von der Rhône

11. Allem Anfang…: Ein Bastard mit Stammbuch – a.k.a. AOC Tavel

12. Würtz-Wein/Cordula Eich: Die Rhône und die Aliens

13. Originalverkorkt: Brise Cailloux vs. La Pierre Noire

14. Bollis Kitchen: …AOC Ventoux

15. Weinverkostungen 1: Domaine des Pasquiers – Côtes du Rhône

16. Weinverkostungen 2: Ogier, Rasteau 2009

17. Marco Datini: Eine kurze Geschichte über Chateauneuf […] und eine Vertikale

18. K&M Gutsweine: Decouvertes en Valle du Rhône (vier Artikel)

19. Noch’n Weinblog: Plan de Dieu

20. Man kann’s essen: La Bastide St. Dominique Blanc 2010

21. Cucina Casalinga: Orca 2008 Marrenon

22. Originalverkorkt: La Petite Ourse

23. Weinverkostungen: Domaine Mucyn, Crozes-Hermitage

24. Weinverkostungen: Chapoutier, Cornas 1999

25. Winzerblog: Mas de Boislauzon

26. Vinissimus: Rhone

27. Ultes’ Posterous: Ein Stein aus Châteauneuf-du-Pape