Da Portwein ein sehr komplexes Thema darstellt, und die vielen Portweinstile, Begriffe und Gesetzmäßigkeiten, es dem Kunden auch nicht gerade leichter machen, möchten wir ganz kurz auf die Weinbereitung und die zwei Portweinstile „Vintage“ und „Tawny“ eingehen.
Die Trauben für den Portwein (Touriga Francesa, Touriga Nacional, Tinta Roriz, Tinta Barroca, Tinto Cao und Tinta Amarela, u.a.) werden von Hand gelesen und in den so genannten Lagares, flachen Granittrögen, traditionell mit den Füßen gestampft. Dadurch wird die Maische schonend umgewälzt und dem Wein Sauerstoff zugeführt, ohne die Kerne zu verletzen. Geschichten besagen, dass behaarte Männerbeine, die ideale Menge an Sauerstoff einbringen, um die tiefdunkle Farbe des Portweines zu stabilisieren.
Die zwei- bis dreitägige Vergärung erfolgt mit natürlichen Hefen, und sollte eine Temperatur von 30 °C nicht überschreiten, um die frischen Fruchtaromen zu bewahren. Sobald etwa die Hälfte des Zuckers in Alkohol umgewandelt ist, wird die Vergärung mittels Zugabe von 80%igem Weindestillat gestoppt, wodurch der Portwein seine natürliche Restsüße behält. Den Winter über reifen die Weine in großen Fässern im oberen Dourotal bevor sie in die Hafenstadt Vila Nova de Gaia gebracht werden, wo sie in alten Holzfässern von 630 Litern Inhalt reifen.
Die Weinbereitung der beiden Portweinstile Vintage und Tawny ist annähernd gleich, nur der Ausbau könnte nicht unterschiedlicher sein. Während der Tawny schon mal ein halbes Jahrhundert im Fass verbringen kann, und dort einen sehr oxidativen Ausbau erfährt, wird der Vintage nach zwei- bis dreijährigem Fassausbau auf die Flasche gezogen, und reift dort seinem Höhepunkt entgegen.
Regua, am Douro
Nach einem kleinen Imbiss und einem wunderbaren Erfrischungsgetränk Namens Sagres, ging es durch die Altstadt von Regua Richtung „Solar do Vinho do Porto“. Die „Solar“ ist Teil des„Instituto dos Vinhos do Douro e do Porto“ und bringt Touristen aus In- und Ausland, durch ein breites Angebot an Verkostungen und Seminaren, portugiesischen Wein näher. Als wir den Raum betraten waren unsere Plätze schon liebevoll vorbereitet, es gab Gebäck im Überfluss und die Portweine, 14 an der Zahl, standen zum Verkosten bereit. Nach einer kurzen Einführung ging es dann auch schon los.
Den Anfang machten die partytauglichen Getränke Croft Pink und Barros Extra Dry, wobei letzterer mit Tonic besser schmeckte, als wie pur. Der Dalva Dry White präsentierte sich goldgelb im Glas, mit süßer Frucht und Marzipan Noten. Es folgten der fruchtige, im Stahltank ausgebaute Infantado Ruby und einfache Tawny Qualitäten, von Pocas und D. Antónia. Ab jetzt ging es steil bergauf, und es floss in unsere Gläser wofür wir gekommen waren, große Tawny Weine.
Casa Amarela 10 – Schimmert rötlich im Glas, nussig , Schokolade, mit erdigem Abgang
Graham´s 20 – Wunderbar komplexe Nase, Orangen, geröstete Nüsse, tolle Balance am Gaumen
Sta. Marta 20 – Trockenfrüchte, etwas alkoholisch, balsamische Note
Taylor´s 30 – Bernsteinfarben, Karamell und Walnüsse im Aroma, vielschichtig und unheimlich weich am Gaumen, nicht enden wollender Abgang mit Kaffee und pfeffrigen Aromen
Da Portweine mit ca. 20 Vol % Alkohol zu den Schwergewichten der Weinwelt zählen, nahmen unsere Gesichter die gesunde Farbe von Ruby Port an und die Diskusionen wurden von nun an tischübergreifend geführt. Das tat der ansonsten sehr schüchternen Studententruppe, was das Thema Fragen und Diskusionen anging, so richtig gut.
Dalva 30 – Sehr pikante Nase, frischer Koriander, Orangenmarmelade, getrocknete Pilze, voller Körper und langer Abgang
Feist Colheita 1980 – Sozusagen ein Vintage Tawny, sehr feine Nase, geröstete arabische Gewürze und brauner Zucker, dicht und komplex
Um die Verkostung abzurunden, gab es zum Schluss noch einen Vintage- und einen Late Botteled Vintage Port.
Fonseca Vintage 1978 – Ziegelrot im Glas, genial gereifter Wein, mit dem Duft von roten Früchten, Strohblumen und staubigen Noten, frisch, weich und von enormer Länge. So wie die meisten in unserer Runde war ich noch nicht geboren als dieser Wein gekeltert wurde, umso ehrfürchtiger nippte ich an meinem Glas mit diesem göttlichen Inhalt. Es gibt wohl nur sehr wenige Weine und Weinstile, die nach so langer Zeit, noch einen so unglaublichen Trinkgenuss bieten können.
Offley LBV 2005 – Ein Late Botteled Vintage ist ein nach verlängerter Fassreife abgefüllter Vintage, welcher in der Qualitätspyramide unter den großen Vintage und Tawny Weinen steht. Opulente dunkle Frucht, sehr jung, mit schöner Tanninstruktur und pfeffrigen Noten im Abgang
Unser Dank geht vor allem an das pfiffige Team der „Solar do Vinho do Porto“, welche zusammen mit der tollen Auswahl an Portweinen diesen Abend zum vollen Erfolg machten.
Fragen oder Anmerkungen, zu dem nicht gerade einfachem Thema Portwein, einfach posten! Fragen die wir nicht selber beantworten können, geben wir gerne an die Profis in Portugal weiter.
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