Nachdem ich die letzte Woche aus diversen Gründen nicht dazu kam einen kleinen Rückblick auf die ProWein zu verfassen, freute ich mich gestern umso mehr, als Sabrina, eine gute Freundin von uns, mir ihre Aufzeichnungen schickte. Viel Spaß mit unserem nächsten Gastartikel:

So liebe Generation Wein Blog-Leser nun ist es endlich soweit: Ich (Sabrina) habe es geschafft einen Beitrag zu schreiben und hoffe er gefällt Euch. Falls Ihr Euch wundert warum meine Zeit so begrenzt ist, ich schreibe gerade meine Thesis über Spontangärung bei Pinot Noir Klonen. Deswegen ist die Abteilung Pinots in meinem Beitrag auch relativ großzügig vertreten. Also habt Spaß beim Lesen und bis zum nächsten Mal…

ITALIEN

Ferrari Perlè:

100% Chardonnay; Blanc des blancs. Jahrgang 2005:
Elegant und sehr schön brotig. Knackige Säure und enorm frische Frucht. Schöne Perlage.

Ferrari Perlè Nero:
5 Jahre auf der Hefe und 6 Monate im Holzfass gereift. Außerordentliche Fülle und Aromatik. In der Nase riecht man die Holzreife und leichte Mandeltöne. Der Mund wird saftig ausgefüllt durch die verspielte Perlage. Enorme Struktur und Kraft lassen ihn männlich wirken. Dieser Schaumwein lässt das Herz eines jeden Pinot Liebhabers höher schlagen.

Riserva Lunelli

100% Chardonnay; Jahrgang 2003:
5 Jahre auf der Hefe. Ebenfalls Weinausbau im Holzfass. Man hat das Gefühl man trinkt ein Stück von der Sonne Italiens. Dieser Schaumwein besitzt eine wunderschöne Komposition aus gelben Früchten von Mirabelle bis Aprikose ist alles dabei. Unterstützt wird die Frucht von einer zarten Cremigkeit und einer dezenten Karamellnote, die teilweise durch den Holzeinsatz wie leckere gebrannte Mandeln wirkt. Alles in allem hat er uns vom Hocker gehauen.

Giulio Ferrari

100% Chardonnay; Jahrgang 2000:
10 Jahre auf der Hefe; 6 Monate Holzfassreife. Ich muss sagen, ich hatte bis dato noch nie einen solch alten Schaumwein aus Italien probiert und fühlte mich beim Trinken wie ein kleines Mädchen auf dem Rummelplatz. Er war so vielschichtig und bot so viele Überraschungen, dass dieser Spumante wirklich sehr schwer in Worte zu fassen ist. Man sollte ihn probieren!!!

 

NEUSEELAND

Auf der Suche nach den guten Pinot Noirs Neuseelands wurde ich auf der ProWein fündig. Man muss sagen, dass wirklich kein einziger Pinot dabei war, bei dem ich gesagt hätte „grausam“. Sie waren durch die Bank gut gemacht. Einige haben natürlich auch hervorgestochen. Hier einige meiner Notizen:

 

Huia Winery (Marlborough)

Wie ich von der netten Dame am Stand erfahren habe wird in der Winery viel umgepumpt und auf Reinzuchthefen gesetzt. Der 2009er ist sehr modern gemacht und unruhig. Teilweise wirkte er fast portweinartig.

Der Hunky Dory 2010 ist noch sehr jung und unruhig mit kräftiger Struktur.

 

ARA Winery (Marlborough)

Resolute 2007:
12 Monate Barrique
Sehr kräftig aber elegant. Enorme ruppige Säure doch ein hohes Reifepotential.

Composite 2008:
10 Monate Barrique, alte Reben, Handlese
Würzig, minzig, geschmeidige Kraft. Mein Favourite. Er hat alles   was man von einem schönen ausbalancierten Pinot mag. Empfehlenswert.

Pathway 2009:
Erster Eindruck „WOW“. Extreme Power und Fülle. Wundervoller kräftiger Burgunder Stil. In der gehobenen Gastronomie vertreten.

Yealands Estate (Marlborough)

2009er Pinot Noir:
Kräftig und fleischig. Jedoch zu grün zum jetzt trinken.

2008er Supermarkt Pinot Noir ist extrem modern, kräftig und würzig gemacht. Aber für Preis/Leistung sehr empfehlenswert.

Am Stand der Winery war es sehr unterhaltsam, denn der Winzer  war selber vor Ort und ähnelte ein wenig dem Weihnachtsmann und war auch genauso nett und sympathisch, wie man sich diesen so vorstellt. Unbedingt die Webseite des Weinguts anschauen! Besonders Schafliebhaber…

Auntsfield (single Vineyard) Marlborough

Pinot Noir 2009:
Sehr schön gemacht. Gefällt als täglicher Begleiter und auch zum Essen.

Heritage 2007:
Unglaubliche Brombeer- und Lakritznase. Würzig und leicht im Mund am Anfang. Dann kommt ein unglaubliches Ensemble von Würze und süße Kirsche. Der Abgang ist sehr lang und aufregend. Dieser Pinot hat auch ein enormes Reifepotential. Sehr schön!

Mud House (Marlborough)

Swan 2009:
Sehr kräftig, enorme Säure und sehr pfeffrig im Mund. Er kommt sehr erfrischend im Mund aber wirklich überzeugt hat er mich nicht.

Pinot Noir, Central Otago 2009:
Easy drinking. Leider haben mich hier die Weine nicht so überzeugt.

Elephant Hill (Central Otago)

Pinot Noir 2008:
10 Monate Barrique
Die Weine waren sehr ruppig und präsentierten eine Säure, die an einen Sangiovese erinnerte. Sie waren in Ordnung aber stachen nicht hervor.

Cooper Creek (Central Otago)

Pinot Noir 2008 classic:
Für die Basislinie des Weinguts sehr schön gemacht. Geschmeidig und rund. Schön zu trinken.

Pinot Noir Razorback 2008:
Die verspielte Fee unter den Pinots, die ich probiert habe. Verschiedene rote Früchte tauchen abwechselnd im Mund auf. Kurz überrascht die Himbeere und dann wieder eine fast karamellisierte Kirsche. Dieser Wein ist durch seine Vielschichtigkeit einer meiner Lieblinge geworden, obwohl er eher der fruchtige als der tiefgründige Typ ist.

Konrad (Marlborough)

Pinot Noir 2008; 10 Monate Barrique:
Hat mich durch seine Tiefe und Würze und elegant versteckte Lakritznote sehr überzeugt. Der traditionelle Burgunder-Stil spiegelt sich hier wieder. Gutes Reifepotential.

Mountfishtail (Marlborough)

Pinot Noir 2009; 10 Monate Barrique: Enorme Kraft und knackige Säure, die von hinten lauert. Würze und Frucht halten sich dezent versteckt aber dennoch ist der Wein schön gemacht.

Framingham (Marlborough)

Pinot Noir 2009; 10 Monate neue & gebrauchte franz.Barriques:
Kräftiger, vollmundiger Pinot. Empfehlenswert für den täglichen Gebrauch. Eher Kategorie easy drinking. Am Stand habe ich auch erfahren, dass die Winery Framingham zum Mateus-Unternehmen gehört. Einigen wird der Name Mateus etwas sagen, der größte Exportwein aus Portugal, der im Bocksbeutel kommt. Mir und den Jungs von Generation Wein ist der Name ein Begriff und wir denken gerne an die Portugalreise, bei welcher wir auch Mateus besuchten, zurück. Bei Mateus wurden wir sehr nett empfangen und unter einem romantischen Efeu- Pavillon wurden Snacks gereicht und Weine verkostet und das bei 25°C.

Zum Schluss fehlt nur noch meine Hommage an Villa Maria:
Seit Jahren verkoste ich die Weine von Villa Maria und war stets begeistert. Die Kollektion dieses Jahr hat sogar meine Geschmackerinnerungen noch mehr aufblühen lassen. Vom Riesling über Sauvignon Blanc bis hin zum Shiraz, sind die Weine durch die Bank weg unglaublich schön gemacht. Die Basislinie entzückt und überrascht einen schon. Die Steigerung in der Kollektion ist beim Verkosten auch deutlich zu spüren. Wir grinsten beim Einstiegswein und strahlten von Herzen als wir bei der Top-Range ankamen. Für mich ist das bei einem Weingut enorm wichtig, das die Einstiegsweine schon für sich sprechen und man sich dann bis zum Flaggschiff hin konstant steigert. Villa Maria tut dies ohne Zweifel. Und ihre Pinots sind die besten Neuseelands!

SÜDAFRIKA

Lourensford Sauvignon Blanc:
Bester SB den ich jemals aus Südafrika probiert habe. Die enorme Stachelbeerfrucht überzeugt schon beim Reinriechen ins Glas und macht Lust auf mehr. Im Mund ist dieser SB so ausbalanciert und sticht durch seine fast brennesselartige Aromatik hervor. Hier ziehe ich den Hut vor dem Winzer. Well done!!!

5*Platter Wines Es war eine unglaubliche Verkostung. Die Crème de la Crème aus Südafrika, mir fehlten buchstäblich die Worte. Noch nie hatte ich die Möglichkeit gleich so viele hochkarätige und teilweise gereifte Südafrikaner zu probieren. Als „nicht-so-gern“-Merlottrinker trank ich den besten Merlot, den ich jemals hatte und zwar ein Shannon Mount Bullet 2008. Mein absoluter Favorit bei den Shiraz war der Saxenburg Select Limited Release 2006->Kaffeeduft in der Nase, vollmundig und viel Feuer; untermalt von einer unglaublichen Frucht an Schwarzkirsche. Ein Traum von Lakritz am Gaumen mit einem langanhaltenden Abgang. Grandios! Bei den Cabernets kann ich leider keinen 100%igen Gewinner küren. Ich schwanke zwischen Delaire Graff Reserve 2008 und Boekenhoutskloof 2008. Delaire brachte mehr Fülle und mehr Frucht und Boekenhoutskloof war eleganter und frischer (kühler). Insofern bekommen sie beide von mir den 1.Platz der Cabernet Sauvignons aus SA.

In diesem Sinne muss ich unbedingt noch mein „old time favourite“ erwähnen: Glen Carlou. Die neue Kollektion glänzt wieder wie ein frisch gewachstes Auto! Unglaublich. Besonders überraschend war der Chardonnay 2010 aus der Basislinie. Das wird mein neuer Haus-Sommerwein. Der Chardonnay „Quartz“ ist auch wieder sehr gelungen und strotzt nur so vor Eleganz, er hat dezentes Holz und eine wundervolle Cremigkeit. Die Roten halten ihre Qualität durch die Reihe weg. Go Glenni!!! ( Anmerkung GW: Ich stimme Dir zu, allerdings hat mich persönlich der aktuelle Grand Classique nicht vom Hocker gehauen )

AUSTRALIEN

An dieser Stelle möchte ich gerne einmal die Gelegenheit nutzen und ein bisschen Werbung für die Weine von Nugan Estate machen. Seit vier Jahren bin ich nun treuer Fan der Weine. Das Sortiment ist sehr facettenreich. Von Riesling über Durif, McLaren Vale Shiraz, Korbgepresster Merlot, Süßwein bis hin zum champagnerartigen Schaumwein.

Die 1999 gegründete Weinkellerei Nugan Estate wird heute in der 3. Generation von Michelle, Matthew und Tiffany Nugan geführt. Die Premium-Weine des Familienunternehmens werden aus den eigenen und besten Weingärten der Regionen in Riverina, King Valley, McLaren Vale und Coonawarra gekeltert.

Meine Verbindung entstand durch den Export Sales Manager Gary Janes, mit dem ich nun jedes Jahr eine tolle Zeit auf der ProWein (und zum Alt-Bier trinken in der Altstadt nach der Prowein) verbringe. Ich kenne das komplette Sortiment von Nugan und kann wirklich alles ohne schlechtes Gewissen weiterempfehlen. Falls ihr etwas probieren möchtet kann ich schon mal den Schaumwein aus Chardonnay & Pinot Noir (50/50); Mèthode champenoise 18 Monate Hefelager empfehlen. Schaumwein aus Australien trinkt man ja selten, aber der ist wirklich gut, glaubt mir mein Gaumen ist bei Schaumweinen sehr verwöhnt. In Deutschland bekommt man die Weine z.B. über www.heb-ra.com (Heinz Eggert). Der Schaumwein liegt bei 12€, das halte ich für die Qualität die man bekommt für preiswert. Der „Botrytis-Semillion“ hat sämtliche Preise abgesahnt. Er ist ein wirklich sehr gut gemachter Süßwein (vom RZ>BA) um die 10-12€. Jeder kennt es wahrscheinlich, mal hat man Lust auf einen Süßwein, möchte aber nicht in den Keller gehen und seine teuren BA’s, TBA’s oder Ruster Ausbrüche aufmachen. Also einfach als Tipp, probiert ihn mal. Die Rotweine sind auch alle top. Meine Lieblinge in der Kategorie sind Durif und Shiraz McLaren Vale.

Peter Lehmann

Die komplette Kollektion hat auch wieder geglänzt und mein Favorit „Eight Songs“ ist auch wieder phänomenal.

Penfolds

Hier muss ich sagen, lassen die Weine meiner Meinung ein wenig nach. Wir kamen in diesem Jahr endlich in den Genuss den „Grange“ 2005 zu probieren und die Meinungen hierzu könnten kaum verschiedener sein. Er ist überraschenderweise enorm elegant und vielschichtig. Wohl der eleganteste Shiraz, den ich jemals getrunken habe. Kein Stück schwarze Power wie man das von australischem Shiraz gewohnt ist. Alles in allem eine sehr schöne Erfahrung, jedoch muss jeder hier selber wissen, ob er bereit ist diesen Preis für den Grange zu zahlen.

Ansonsten war dieses Jahr in Halle 6 die australische Bevölkerung relativ gering im Gegensatz zum Vorjahr. Dies könnte darauf zurückzuführen sein, dass der australische Dollar momentan sehr schlecht steht und alle Weine, die Australien nun zum gleichen Exportpreis verlassen, kosten das Weingut/Exporteur 30% des Gewinns.

California

Ridge Vineyards

Endlich nach drei Jahren Abstinenz gab es einen Ridge-Stand auf der Prowein. Natürlich sind wir sofort hin gestürmt. Und Leute ich kann euch sagen, es hat sich gelohnt. Selbst engstirnige, rheinhessische Jungwinzer, die fast an allen Weinen die sie probieren( außer die Eigenen) etwas auszusetzen haben ( GW fiel beim Lesen dieser Zeilen fast kichernd vom Stuhl ) , waren beeindruckt von der Kollektion. Und das heißt schon was!

Chardonnay 2009:
Durch die Spontangärung schöne hefige Töne; enorme Würze gefolgt von einer buttrigen Eleganz.

Chardonnay Monte Bello 2008:
Die besten Trauben geben dem Wein von allem etwas mehr. Mehr Fülle, Würze, Buttrigkeit,Säure und ein großes Reifepotential. Dezentes Holz und Aromatik par excellence.

Zinfandel Geyserville 2008:
72% Zinfandel ; 20% Carignane; 6% Petit Syrah; 2% Mourvèdre; sehr jung und ruppig aber strotzt nur so vor Fülle und Aromen. Hohes Potential.

Zinfandel Lytton Springs 2008:
74% Zinfandel;21% Petit Syrah; 5% Carignon; ganz sanft und geschmeidig untermalt von Lakritz und Kirsche. Hat mir sehr gut gefallen.

Santa Cruz Mountain Estate 2007: 58% Cabernet sauvignon;  42% Merlot; meiner Meinung nach kaum von einem exzellenten Bordeaux in einer Blindverkostung zu unterscheiden.

Monte Bello 2007:
79% Cabernet Sauvignon; 10% Merlot; 9% Petit Verdot; 5% Cabernet Franc; für sein Alter schon sehr samtig und graziös. Die Pflaumenaromen gehen schon in die Dörrfruchtrichtung unterstützt durch eine feine Säure. Monte Bello 2007 mein Favorit!

Monte Bello 2008:
72% Cabernet Sauvignon; 28% Merlot; hier kommt eine richtige Ladung dunkler Früchte auf einen zu->Brombeer und Cassis. 2008 hat mehr Säure aber schön eingebunden. Riesiges Alterungspotential.

Monte Bello 2010 Fassprobe: Tabaknoten in der Nase, für Fassprobe ganz zart auf der Zunge d.h. dezente Gerbstoffe. Dafür aber enorme Frucht von Schwarzkirsche und Pflaume sowie leichte Lakritz/Sandelholztöne.

Ganz wichtig noch zu erwähnen: Die Weine reifen 15 Monate in Barriques aus amerikanischer Eiche aus Kentucky.

Sequana

Vier Pinot Noirs wurden am Hess Family Stand vom Weingut Sequana präsentiert. Ich kann euch nur sagen, das war die Krönung für jeden Pinot Liebhaber. Alles war im Einklang bei diesen Weinen, man konnte fast den Pazifik schmecken. Ich bin wie „high“ von dem Stand gegangen. Als Pinot Verehrer und zukünftiger Pinot-Macher kann ich mich nur vor dem Winzer verbeugen. Unbeschreiblich sind diese Weine.


 

Österreich

Nicht zu vergessen ein riesiges Dankeschön an die Winzer aus dem Burgenland, die uns wieder nach der Prowein mit Leckereien versorgt haben. Wir wissen dies wirklich zu schätzen!

Danke: Heidi Schröck, Stiegelmar, Familie Triebaumer, Judith Beck, Familie Igler, Claus Preisinger, Uwe Schiefer( der mit Erfolg das 1.Mal auf der Prowein vertreten war), Moric, Kollwentz,  Markowitsch, Rosi Schuster, Familie Prieler,  Josef Umathum und Kracher.

 

Und wir sagen Danke, liebe Sabrina!

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